Wie gut ist Shopware suchmaschinenoptimiert (SEO)?

Man würde an und für sich davon ausgehen, dass standardisierte, kommerzielle Shopsysteme mit einem Enterprise Ansatz aus der Packung heraus perfekt suchmaschinenoptimiert sind – das wäre zumindest meine persönliche Erwartungshaltung. Mit dieser Annahme steht der Kunde jedoch bei vielen Shopsystemen alleine da, denn Suchmaschinenoptimierung ist zum einen ein sehr dynamischer Prozess, der sich ständig und in hoher Geschwindigkeit weiterentwickelt und enorm viele Aspekte beinhaltet. Außerdem sehen Softwareentwickler sehr häufig überhaupt keine Notwendigkeit sich den gängigen und relevanten Kriterien einer Suchmaschine zu unterwerfen, denn das bedeutet in der Regel, dass grundlegende Änderungen am System vorgenommen werden müssen – wie unbequem.

Bei unserem ersten Kandidaten Shopware, dem System aus Deutschland, handelt es sich um ein Opensource-System mit mehreren Lizenz-/Support-Leveln, die der Kunden kaufen kann. Hierbei bewegt man sich von etwa eintausend Euro bis hin zu mehreren zehntausend Euro Software-Lizenz, die man ausgeben muss.

Es wurde bei der Bewertung der Shopsysteme nach verschiedenen Kriterien analysiert, die Google größtenteils in ihren eigenen Richtlinien veröffentlicht hat:

  • Pagespeed Insights Unterstützung
  • W3C Konformität
  • URL Aufbau, Title und Meta-Tags, Mikroformate
  • Unterstützung der Google Webmaster Tools (Authentifizierung, XML Sitemap)

Es sei an dieser Stelle noch erwähnt, dass dies bei weitem nicht alle relevanten Kriterien sind, sondern nur eine Auswahl der wichtigsten „OnPage“ Kriterien für Onlineshops. Bei der Einhaltung der notwendigen Richtlinien helfen Tools wie z.B. OnPage.org den eigenen Onlineshop zu optimieren.

Shopware und Google Pagespeed Insights

Google Pagespeed ist in Bezug auf den schnellen Seitenaufbau und Einsparen von Datenübertragungs-Ressourcen definitiv ein Qualitätskriterium, das Google mittlerweile erhebt. Zur Messung wurde der offizielle Demoshop von Shopware herangezogen und mit dem Pagespeed Tool auf der Google Homepage gemessen.

Ergebnis: weder die Desktop, noch die mittlerweile wichtigere mobile Variante des Storefront bestehen die Prüfung. Mit 31% für Mobil und 46% für Desktop fällt das Ergebnis wirklich sehr mager aus.

 

Folgende Punkte wurden von Pagespeed Insights für Shopware moniert:

  • Bildoptimierung (dringend): durch höhere Komprimierung der Bilder kann Datenübertragungsvolumen und somit Zeit gespart werden. Shopware komprimiert die Bilder nach Upload nicht nachträglich. Hierfür kann das von uns vorgeschlagene Verfahren zur automatisierten Onpage Optimierung verwendet werden
  • Browsercaching (dringend) auch hier könnte durch einen einfachen Eingriff des Herstellers in die Logik des Shops geprüft werden, ob das Apache Webserver Modul „mod_expires“ zur Unterstützung des Leverage Browser Caching vorhanden ist und dies entsprechend vorkonfiguriert ablegen
  • Above The Fold Skripte (dringend): hier könnte im Softwarestandard von Shopware bereits Abhilfe geschaffen werden. JavaScript kann asynchron eingebunden werden durch Verwendung des „async“ Attributes beim Embedden und CSS kann alternativ zu den herkömmlichen Methoden eingebunden werden, damit das HTML vom Browser schneller gerendert werden kann.

Positiv zu erwähnen ist, dass JavaScript und CSS bereits beim kompilieren der Themes von Shopware minifiziert werden. Das erkennt Pagespeed Insights und gibt Pluspunkte. Wer seine eigene Seite bzw. seinen eigenen Webshop einmal testen möchte, kann dies auf der Seite von Google Pagespeed Insights machen.

Fazit: für Google Pagespeed muss im Softwarestandard von Shopware dringend etwas unternommen werden. Schulnote: mangelhaft.

Shopware und W3C Konformität

Valides, möglichst fehlerfreies HTML dient als Qualitätskriterium für Google und wird in der Bewertung des Index herangezogen. Dies sollte jedem Shopbetreiber klar sein, denn er kann noch so viel optimieren, wie er mag. Die Browser tolerieren extrem viel Fehler im HTML, Google jedoch nicht.

Die Messung erfolgte ebenfalls auf Basis des Shopware Demoshop und wurde mit dem offiziellen Validator des W3C durchgeführt. Das Ergebnis der Messung brachte insgesamt 13 Fehlermeldungen (6 Errors + 7 Warnings) hervor. Bei den Meldungen handelt es sich eher um minderschwere Probleme, die schnell zu lösen sind oder auf eine etwas schnoddrige Umsetzung des Demoshop deuten.

Fazit: W3C setzt die Standards für das Web. Bei Shopware sind diese größtenteils umgesetzt. Schulnote: gut-

URL Aufbau, Title und Meta-Tags, Mikroformate

Shopware bietet ein sehr umfangreiches Tool zur Manipulation von URLs im Softwarestandard. Die Funktionalität nennt sich SEO Router und ermöglicht den direkten Eingriff in das URL Rewriting – also wie die URLs erzeugt und interpretiert werden. Das Tool ist jedoch den Profis zu empfehlen, da viel technisches Hintergrundwissen verlangt wird.

Meta-Tags können für Produktgruppen, Artikel und Shopseiten im Softwarestandard gepflegt werden. Das ist prima gelöst und im SEO Leitfaden von Shopware gibt es noch Tips dazu wieviel Information gut ist und wie diese aufgebaut sein sollte. Ein Buchstabencounter für die jeweiligen Felder würde ich mir für die Zukunft wünschen – aus Anwendersicht ist das freundlicher, als die maximale Länge der Felder im Wiki anzugeben.

Die von Google empfohlenen Mikroformate zur Übertragung strukturierter Informationen in Webseiten und Produktkatalogen sind in Shopware ebenfalls umgesetzt. Zum Testen nutzte ich das Testing-Tool von Google. Die Übertragung der strukturierten Daten vereinfacht Google das Indizieren der Daten in einer sinnvollen Form, da Informationen wie SKU, Preis, Währung oder Lagerbestand als Key-Value Pairs übergeben werden.

Für den Aufbau von Title Tags gibt es ein Tutorial, wie man diese abweichend vom Softwarestandard von Shopware anpassen kann. Hier würde ich mir in Shopware künftig eine Standardlösung wünschen, wie man sie z.B. aus dem „All in One SEO Plugin“ von WordPress kennt. Hier kann der Benutzer die Regeln, wie die Title-Tags erstellt werden einfach und schnell über das Backend konfigurieren.

Die Canonical URLs zur Vermeidung von duplicate content in den SUMAs werden von Shopware standardmässig erzeugt. Eine manuelle Bearbeitung des Canonical pro Artikel oder Seite ist standardmässig nicht möglich.

Fazit: Shopware hält im Großen und Ganzen, was es verspricht, lediglich für die unflexiblen Title Tags gibt es Punktabzug. Schulnote gut+

Unterstützung der Google Search console (Webmaster Tools)

Für das Setup von Google Search console muss zur Validierung der Seite mit Shopware derzeit noch eine HTML Datei hochgeladen werden oder man verfügt über die SEO Erweiterung von der Firma Dreischild, die diese Funktion unterstützt. Für einen Anwender eigentlich nicht zumutbar. Diese Funktion wird dringend im Softwarestandard benötigt. Die XML Sitemap ist Softwarestandard und einfach einzurichten, da diese bei Shopware-Shops immer unter der gleichen URL im Softwarestandard erreichbar ist (/sitemap.xml). Es gibt für die Sitemap leider keinerlei Konfigurationsmöglichkeiten im Shopware Backend, außer der Einstellung, ob eine mobile Variante der Sitemap bereitgestellt werden soll. Hier wäre auch dem „All in One SEO“ von WordPress zu folgen und die Funktionalität der Sitemap zu parametrieren.

Fazit: Grundfunktionalität von Webmaster-Tools wird unterstützt, jedoch sehr rudimentär. Schulnote befriedigend

Betrachtet man nun das Enterprise-Produkt von Shopware ist bei einer Gesamt-Note von „befriedigend(-)“ noch etwas Arbeit notwendig, um wichtige SEO Eigenschaften für eine hochwertige Onlineshop Software bereitzustellen. Händler, die einen hohen Fokus auf SEO für ihren Onlineshop haben, müssen sonst immer auf Kosten des eigenen Geldbeutels oder der Agentur nacharbeiten.

Außerhalb der Software-Funktionalität ist der hervorragende SEO Guide im Shopware Wiki hervorzuheben – hierfür gibt es im Vergleich zu anderen Herstellern Extrapunkte: sehr gut.

In der nächsten Folge des SEO Check für Shopsysteme werde ich die Shopsoftware von Gambio unter die Lupe nehmen.

Avatar for Lars Denzer
Mir folgen

Lars Denzer

Geschäftsführer, Senior eCommerce Specialist bei omeco GmbH, Saitow AG
Geboren 01.09.1971, Studium an der TU-Kaiserslautern, Abschluss Dipl.-Biol. mit Abschluß in der Fachrichtung "neuronale Netzwerke", leitet Lars Denzer die technologische und strategische Entwicklung der omeco GmbH seit Gründung des Unternehmens und war maßgeblich an der Entwicklung der Shopsystem Software omeco webshop beteiligt. Seit Übernahme der omeco GmbH durch die Saitow AG leitet und berät Lars Denzer das Team MONDO MEDIA mit dem gleichnamigen Warenwirtschaftssystem und das Entwicklungsteam omecocloud mit seiner innovativen Webshop Software
Avatar for Lars Denzer
Mir folgen
Avatar for Lars Denzer
Über Lars Denzer 16 Artikel

Geboren 01.09.1971, Studium an der TU-Kaiserslautern, Abschluss Dipl.-Biol. mit Abschluß in der Fachrichtung „neuronale Netzwerke“, leitet Lars Denzer die technologische und strategische Entwicklung der omeco GmbH seit Gründung des Unternehmens und war maßgeblich an der Entwicklung der Shopsystem Software omeco webshop beteiligt. Seit Übernahme der omeco GmbH durch die Saitow AG leitet und berät Lars Denzer das Team MONDO MEDIA mit dem gleichnamigen Warenwirtschaftssystem und das Entwicklungsteam omecocloud mit seiner innovativen Webshop Software

1 Trackback / Pingback

  1. Wie gut ist Gambio für die Suchmaschinen (SEO) vorbereitet?

Kommentar verfassen